Immobilienbesitzern droht
Sanierungsschock
Die Bundesregierung hat ihr
Energiekonzept für die kommenden Jahre vorgestellt und damit Millionen von
Immobilienbesitzern in Deutschland vor den Kopf gestoßen. Denn Berlin will
die Sanierungsvorschriften für Gebäude deutlich verschärfen. Nach
Schätzungen des Branchenverbandes Haus & Grund würde das Ziel, bis 2050
alle Gebäude auf einen Energieverbrauch ohne CO2-Emissionen umzustellen,
zu einer Kostenexplosion führen. Ausgaben im hohen fünfstelligen Bereich
und mehr kämen demnach auf die Immobilienbesitzer zu. Betroffen wären etwa
15 Millionen private Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer. Aber auch die
Mieten dürften deutlich steigen.
Energetische Sanierung kann teuer werden
Laut Umweltminister Norbert Röttgen (CDU)
lässt sich bis zu 50 Prozent der verbrauchten Energie in Deutschland
einsparen. Deshalb hat er im Energiekonzept das Thema Effizienz zur
Schlüsselfrage erkoren. Geht es nach dem Willen der Regierung, sollen
Hauseigentümer in einem Mehrstufenplan zum
Sanieren verdonnert werden. Bis 2050 sollen alle Gebäude so saniert
sein, dass sie keinerlei CO2 mehr abgeben.
Nach Angaben der "Bild"-Zeitung beziffern
Haus-&-Grund-Experten die Kosten für die energetische Sanierung eines in
den 70er Jahren gebauten Einfamilienhauses mit 120 Quadratmetern
Wohnfläche auf mindestens 70.000 Euro. Ein Sprecher der
Eigentümerschutz-Gemeinschaft bestätigte die Zahlen. Die Umwandlung in das
von der Bundesregierung geforderte "Nullemissionshaus" werde mindestens
140.000 Euro koste
Förderung in Aussicht gestellt
Insgesamt sind drei Viertel des
Altbaubestands vor 1979 und damit vor der ersten Verordnung für eine
bessere Isolierung errichtet. Sie gelten laut Bundesregierung energetisch
als höchst ineffizient. Das Einsparpotenzial gerade beim Wärmeverbrauch
sei gewaltig. So sollen bis 2020 der Wärmebedarf um 20 Prozent, bis 2050
gar um 80 Prozent gesenkt werden. Gebäude sollen demnach in Zukunft die
von ihnen verbrauchte Wärme selbst produzieren. Wärme- und Stromversorgung
sollen durch Öko-Energien erfolgen - etwa durch Sonnenenergieversorgung
und bessere Dämmung.
In dem Energiekonzept heißt es unter anderem, dass der Standard
"Nullemission" bis 2050 in der Novelle der Energieeinsparverordnung für
Gebäude festgeschrieben werden soll. Ein langfristiger Fahrplan soll
Immobilienbesitzer bei der Sanierung unterstützen und ihnen die nötige
Flexibilität gestatten. Ziel ist es zunächst, bis 2020 die am
schlechtesten isolierten Gebäude zu sanieren, die ohnehin meist
renovierungsbedürftig seien. Der Sanierungsfahrplan beginnt dann 2020 und
führt bis 2050 stufenweise auf das Zielniveau. Wenn der Eigentümer die
Ziele vorzeitig erfüllt, erhält er eine staatliche Förderung. Außerdem
soll die CO2-Gebäudesanierungsprogramm besser ausgestattet und andere
Fördermöglichkeiten geprüft werden.
Gebäudesubstanz in Deutschland weit
besser als unterstellt
Scharfe Kritik an dem Vorhaben kam von
Seiten der Eigentümer. Der Generalsekretär des Verbandes Haus & Grund,
Andreas Stücke, warnte vor schweren verfassungsrechtlichen Problemen. "Der
Zwang zu unwirtschaftlichen Maßnahmen ist verfassungswidrig", sagte er der
"Bild"-Zeitung. Eigentümer würden zu Maßnahmen gezwungen, die nicht
wirtschaftlich seien. Denn die Gebäudesubstanz in Deutschland sei weit
besser als unterstellt. "Untersuchungen zeigen, dass Wohngebäude im
Durchschnitt nur halb so viel Wärmeenergie benötigen, wie von der
Bundesregierung vermutet."
Investitionen führen damit zu viel
geringeren Energie-Einsparungen, als regierungsseitig angenommen. Wer ein
heute gebautes Haus auf Null-Emissions-Standard umbauen möchte, müsste es
quasi in den Rohbauzustand zurückversetzen. Deshalb behält sich der
Verband juristische Schritt gegen die Vorgabe zum Sanieren vor. Viele
Hausbesitzer könnten die durch das Energiekonzept verlangten Investitionen
nicht stemmen.
Kaltmieten dürften steigen
Aber nicht nur Immobilienbesitzer sind
von den verschärften Vorschriften betroffen. Denn Vermieter dürften die
Ausgaben auf die Mieten umlegen - Mieter müssten also auch mehr für die
Kaltmiete zahlen. Hier darf aber nicht vergessen werden, dass Bürger im
Gegenzug von weitaus geringeren Energieausgaben durch neue Fenster,
Öko-Heizkessel und energiesparende Dächer profitieren. So könnte es ein
Nullsummenspiel werden - oder sogar leichte finanzielle Vorteile bringen.
"Aus klima- und energiepolitischer Sicht ist der Schritt der Regierung
alternativlos", sagt Ulrich Ropertz vom Mieterbund. Er setzt auf eine
große öffentliche Förderung, damit einerseits für Eigentümer
Sanierungsanreize geschaffen werden und zweitens die finanziellen
Belastungen für die Mieter im Rahmen bleiben.
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